Ich trinke mit Verstand!

Nicht ganz günstig, aber gut.

Auch zum zweiten Spiel der Gruppenphase trat wieder eine Gruppe vom FVR International die Reise ins europäische Ausland an, um den Bayer zu unterstützen und selbst ein paar Tage ausländisches Bier zu genießen. Wie schon Madrid, war auch der Trip in die griechische Stadt Thessaloniki, vielleicht abgesehen vom Spielergebnis, ein voller Erfolg. Der Reihe nach.

 

Unser persönliche Reiseleiter Michael hatte wieder keine Mühen gescheut ein bezahlbares Angebot auf die Beine zu stellen und Simon , Christian, Stefan, Martin und Lars, ein Uni-Freund von Michael, waren diesem erlegen und hatten gebucht. Die Auswahl der Kopfbedeckung viel diesmal auf einen roten Hut im Mafia-Stil, der selbstverständlich mit dem FVR Logo seine passende Abrundung erfuhr. Auch bei weiteren internationalen Spielen sollte eine jeweils wechselnde Kopfbedeckung vorbereitet werden. Ausgestattet mit Hut und guter Laune sollte es dann am Donnerstag, dem Tag des Spiels mit dem Flieger via Berlin nach Saloniki gehen. Dort angekommen erwartete uns neben dem Martin, der als Spätbucher eine etwas frühere Verbindung genommen hatte, auch ein netter Mensch der örtlichen Polizei und fing uns, kaum aus dem Flieger gestiegen, ab. Durchaus freundlich, aber eben auch ziemlich nervös, warnte er uns vor den Gefahren des heimischen Fußballs und legte uns ziemlich direkt nahe, dass an eine Busfahrt zum Hostel nicht zu denken sei – viel zu gefährlich und beinahe unmöglich zu Fuß von der Bushaltestelle zu unserer Unterkunft zu gehen. Zudem sollten wir den Tag dort verbringen und uns am Abend, ebenfalls mit einem Taxi, zu einem Treffpunkt der Bayer-Fans fahren lassen, um von dort gemeinsam und von Polizei begleitet, zum Stadion zu gondeln. Zwar hatten wir eigentlich geplant den Bus zu nehmen, aber da der Stefan eh vor hatte in dem Urlaub das Taxifahren zu etablieren und wir dem netten Menschen einen Gefallen tun wollten (er machte sogar Andeutungen mit dem Bus mit fahren zu wollen, um uns zu beschützen), enterten wir zwei Taxen und ließen uns zu unserem Hostel bringen. Auch dort kam es anders als gedacht. Die Größe der Zimmer in Madrid noch im Kopf und in südeuropäischen Ländern eh nicht viel erwartend, wurden wir sehr freundlich von einer blonden Argentinierin begrüßt, die für uns zwei Vierbettzimmer bereitgestellt hatte, die locker doppelt so groß waren wie in Madrid, dazu (verhältnismäßig) sauber und mit einer eigenen kleinen Küchenzeile mit Kühlschrank sowie eigenem Bad ausgerüstet. Lars und Micha bezogen das eine Zimmer; Simon, Stefan, Martin und Max das andere, das sogar über eine eigene kleine Terrasse verfügte.

 

Anschließend machten wir eine erste Erkundungstour der Umgebung, um in einem Supermarkt für das obligatorische Bierchen zu sorgen und um etwas zu essen. Hierbei entdeckten wir einen vorzüglichen Grill namens Asterix, der für kleines Geld (2,40€) eine Teigtasche verkaufte, die mit knusprigem Schweinefleisch vom Spieß, Pommes, Salat, Zwiebeln und mehreren Saucen gefüllt war. Diese griechische Variante des Döners war derart exquisit, dass dies selbstverständlich nicht der einzige Besuch bleiben sollte. Im Supermarkt deckten wir uns anschließend mit Bier, Ouzo (wir hatten Ouzo 12 schon der Hand, als uns ein Grieche bedeutete, dies sei ein schlechter Ouzo und wir sollten lieber einen anderen kaufen) und Snacks ein, begaben uns zurück auf unsere Terrasse und genossen dort das warme Wetter und das süffige Bier. Leicht störend war ein kleiner Kater mit dickem Genitalbereich (und wahrscheinlich allen Katzenkrankheiten der Welt), der versuchte in unser Zimmer zu kommen und längere Zeit um uns herum stromerte.

Kurz vor dem geplanten Treffen mit den anderen Bayer-Fans orderten wir, wie befohlen, abermals Taxen und fuhren zur Statue von Alexander dem Großen, wo wir nach einer recht langen Wartezeit in Busse verfrachtet wurden, die uns zum Stadion kutschierten. Eine gute Stunde vor Spielbeginn kamen wir in unseren Block, der sich mit geschätzten 250 Bayer-Fans füllte. Der Rest des Stadions war bereits von gelb gekleideten Griechen gefüllt, die munter lustige Liedchen trällerten, deren Lautstärke in Deutschland wohl nirgends zu finden ist. Wie gesagt, eine Stunde vor dem Spielbeginn. Da man keine Pyrotechnik im Stadion zünden wollte, gab es einfach mal ein kleines Feuerwerk außerhalb der Arena, das pünktlich zum Anpfiff neben den Choreographien auf zwei verschiedenen Tribünen, verfeuert wurde.

Das Spiel selbst war dann eine ziemlich langweilige Nullnummer, obschon das Team von Aris in der Bundesliga wohl im hinteren Drittel der Tabelle landen würde. Während der obligatorischen Blocksperre nach dem Spiel wurde Andrea Kaiser, eine durchaus ansprechende Kommentatorin von SAT.1, mit Sprechchören gefeiert, die in luftiger Kleidung in kalter Nacht vor dem Bayer-Block Interviews führte und wahrscheinlich den schönsten Abend ihres Lebens verbrachte. Ob sie sich daran störte „Fickschnitzel“ zugerufen zu bekommen, weiß man nicht. Zurück ging es dann wieder mit polizeibegleitetem Bus und anschließender kurzer Taxifahrt. Verschiedene gute Nacht Biere und recht viel Ouzo beschlossen den Abend. Christian hatte wohl noch so großes Liebesbedürfnis, dass er sich einfach in das untere Hochbett zu Martin legte und nicht mehr aufstehen wollte, woraufhin Martin nach oben auswich. Das Amüsement über Christians Schlafklamotten (Jeans und Trikot aus dem Stadion), konterte er mit der Feststellung, er wisse schon warum er zwei Jeans eingepackt hätte. Am folgenden Tag war die Besatzung des Viererzimmers schon wieder recht früh munter und frühstückte erst mal mit Kuchen aus dem Supermarkt, Bier und Ouzo. Anschließend ging es auf Erkundungstour in die Stadt und zufälligerweise fanden wir am Wasser ein Hippie-Boot, das uns umsonst einmal durch den Hafen fuhr, wenn man sich an der hauseigenen Theke bedienen würde. Ein solches Angebot konnte man natürlich nicht ausschlagen und sowohl Bier als auch Schnaps wurden auf der illustren Bootsfahrt konsumiert. Hier begannen wir darüber nachzudenken, schon jetzt lustige Sprüche zu notieren, damit wir sie nicht wieder alle vergessen würden. Unser erster Eintrag in die Liste war von Christian, der nach einem Schnaps vermeldete: „Nicht ganz günstig, aber gut“. Wann unser Alkoholphilosoph seinen zweiten Spruch der Liste los wurde und vor allem im welchem Zusammenhang wissen wir nicht mehr, aber sein eigenes persönliches Motte war damit gefunden: „Ich trinke mit Verstand“. Inwiefern man von einem trinken mit Verstand ausgehen kann, wenn der Stefan den Max dazu anstiftet mitten am Tag am Hafen ins Meer zu pissen und so das Urlaubspanorama für die Touristen zu entstellen, sei dahingestellt. Dass Simon, um lausige 2,50€ abzugreifen sich daneben stellte, zeugt ebenfalls nicht von guter Kinderstube. Wie dem auch sei, dadurch, dass Stefan die beiden mit gerade einmal 5€ zu solchen Dummheiten motivierte führte zu seiner Erkenntnis: „Ich habe soeben die Macht des Geldes entdeckt“.

Nach dieser kleinen Episode meldete sich bei uns der Hunger und wir beschlossen ein Pizza Hut aufzusuchen. Auch wenn die dortigen Preise recht hoch waren, war vor allem ein mit reichlich Käse überbackener Nudelauflauf, derart lecker, dass Simon und Max, die sich diesen teilten, als erste aufgegessen hatte. Während also alle noch am Essen waren, stand Simon plötzlich auf und wollte das Lokal verlassen, was Max zu dem Spruch anregte: „Simon? Biste Weg?“. Das anschließende Gelächter mag den romantischen Abend eines neben uns sitzenden Pärchens gestört haben – wir hatten unseren Spaß. Zurück im Hostel endete für Simon, Christian und Stefan der Abend und die ersten drei verschwanden in ihren Betten. Martin, Micha und Lars gesellten sich noch zu zwei Deutschen Sonderpädagogik-Studentinnen, die zur Feier ihres Examens mehrere Wochen durch Kroatien und Griechenland tourten und justament während unseres Aufenthaltes in der selben Unterkunft, genauer gesagt in Michas und Lars´ Zimmer, nächtigten. Hierbei sprach Martin dem Bier und dem Ouzo noch reichlich zu. Nachdem er einer der beiden zunächst ein, nunja, „Kompliment“ machte: „Egal, was du in deinem Leben tust, lass die Haare offen!“, verhandelte er anschließend mit den Damen über ein gemeinsames Kochen am folgenden Tag und erklärte sich bereit selbst zu Kochen. Auf die Frage, für welche Uhrzeit er denn kochen wolle antwortete er: „Mit der Zeit ist es schwierig, weil die anderen immer so viel trinken“. Welch passender Spruch für den nächsten Morgen. Als so langsam das Zimmer mit Stefan, Max und Simon erwachte, quälte sich Martin aus seinem Bett, begab sich ins Bad und die Geräusche des Würgens klangen durchs Zimmer. Drei freuten sich und einer meinte: „Ich dachte ihr hört nichts“. Noch mehrere Male musste das Bad konsultiert werden und einmal, als die Dusche belegt war, sogar die Terrasse. Ein schöner Start in den Tag, den wir für touristische Zwecke nutzen wollten. Aber ob ein Turm, indem jegliche erklärende Tafel lediglich in griechischer Sprache verfasst war, wirklich einen bleibenden Eindruck hinterlässt mag bezweifelt werden. Es war zwar gut, dass jeder deutsche Student keinen Eintritt zu zahlen hatte; noch besser, dass fast alle irgendeinen Wisch zeigten und so drei Euro sparten; am besten jedoch, dass der Max nichts zeigte, drei Euro zahlte und anschließend fragte: „Was habt ihr denen eigentlich gezeigt?“. Der nächste touristische Höhepunkt sollte eine Stadtrundfahrt sein. Aber auch diese konnte uns nicht wirklich überzeugen. Saßen wir doch in einem Bus, dessen Fenster vollständig mit Werbung zu geklebt waren und durften einem Griechen zu hören, dessen einzigen verständlichen Worte „on the left“ sowie „on the right“ waren. Wie dem auch sei, damit war die kulturelle Seite des Urlaubs abgehakt und wir konnten uns wieder dem Saufen widmen. Nach einem Snack bei Asterix landeten wir also wieder in unserer Unterkunft, setzten uns diesmal auf die Terrasse für alle Gäste und ließen uns von den beiden Mädchen bekochen. Auch diesmal wurde wieder reichlich getrunken und sich mit „Yamas“ zugeprostet, was Stefan jedes Mal dazu veranlasste „Was?“ zu fragen. Simon pöbelte erst gegen die beiden Mädchen, um dann mit einer händchenhaltend neuen Alkohol zu kaufen, und der Abend endete zu später Stunde im Bett, womit wir fast am Ende unseres Ausflugs angekommen wären, da der folgende Tag lediglich einen Flug nach Basel, anschließender Aufenthalt von mehreren Stunden und Weiterflug nach Düsseldorf beinhalten sollte.

Ein kleines Bonbon dürfte dennoch genossen werden. Nicht gerade ausgeschlafen oder fit fuhren wir auch diesmal wieder mit zwei Taxen zum Flughafen, passierten problemlos das Boarden und gingen zum Flugzeug. Dort angekommen fiel Simon auf, dass alle außer ihm ihr ausgedrucktes Flugticket wieder mitgenommen hatten. Im Flieger selbst zeigten auch sämtliche Passagiere dieses vor. Simon stand ziemlich verloren mit seinem Personalausweis daneben und durfte nicht einsteigen. Zunächst wurde wild gefunkt. Ein Hjimon Dopias war jedoch nicht auf der Flugliste. Zum Glück fand sich jedoch ein netter Rollfeldarbeiter, der Simon zu sich ins Auto lud, wieder zurück zum Boarding fuhr, wo Simon nach kurzem Gespräch auch sein Ticket wieder bekam. Nicht mehr klären ließ sich, ob es ein Fehler der jungen easyjet Dame war oder Simon´s. Simon glaubt natürlich nicht an eigenes Verschulden. Seis drum. Der nette Aris Fan fuhr Simon wieder zurück, erzählte er werde in zwei Wochen auch in Leverkusen zum Rückspiel sein und der Rest der Reisegruppe applaudierte als Simon wieder ins Flugzeug stieß. Was die Frage der Schuld angeht, ist es vielleicht erhellend Simons Motto der Tour, das er irgendwann dem Micha erzählte, als Schlusssatz zu zitieren: „Mit dir reisen, ist wie betreutes Reisen. Ich geb mein Gehirn ab und komme irgendwann zurück“.