Die letzte europäische Reise des F.V. Rheindorf International führte nach Villareal, einer seelenlosen Kleinstadt gut 300km südwestlich von Barcelona. Schon vor dem Hinspiel, in dem sich der Bayer aufgrund eigener Dummheit in eine äußerst ungünstige Ausgangslage manövrieren konnte, hatte das wieder einmal perfekt organisierte Werben unseres Reiseleiters Mitch Wirkung gezeigt und neben sieben FVRs (Mitch, Max, Feuerball, Basti, Hybiä, Jens und Netzer) wurden auch zwei Externe (Michi von den Panthers und Stephan, ein Arbeitskollege vom Jens) für die Tour gewonnen, so dass, wie schon beim ersten Spiel in Madrid, eine durchaus beachtliche Gruppenstärke erreicht wurde. Zu früher Morgenstunde am Tag des Rückspiels sammelte man sich in zwei Autos und fuhr, begleitet von den bezirzenden Klängen einer eigens zusammengestellten CD („Hau wech den Eimer“), nach Weeze, von wo der Flieger nach Barcelona Reus gechartert war. Nach einem unspektakulären Flug überraschte uns ein zunächst positiv verstandenes, aber im Endeffekt folgenschweres Upgrade (Opel Insignia statt VW Polo) bei der Abholung unserer Mietwagen, mit denen wir bei blauem Himmel und angenehmen Temperaturen die letzte Strecke nach Villareal zurücklegten. Guter Stimmung und mit dem ein oder anderen Bier in der Hand zockelten wir aufgrund des Tempolimits von 110 in langsamer Fahrt Richtung Ziel der Reise, das aber fast problemlos – man verlor sich etwa 250 Meter vom Hostel entfernt und traf sich erst nach längerer Suche und mehreren Telefonaten dort wieder – erreicht wurde.

 

Nach einem fleischlastigen Essen traf man sich mit den anderen Bayerfans auf einem Platz unweit des Stadions, trank ein paar Bierchen und sang ein paar Liedchen, um dann als gesammelter Mob zum El Madrigal, der Heimat der Gelben U-Boote, zu ziehen.

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Der Gästeblock befand sich weit oben über den normalen Tribünen des Stadions und wurde von vorne durch eine große Plexiglasscheibe sowie dichten Fangnetzen begrenzt, was doch stark an Bremen erinnerte. Zum Spiel selber müssen nicht viele Worte verloren werden, und außer dem Feuerball hatte auch keiner wirklich mit einem Wunder gerechnet – trotz unserer T-Shirts.

Nach dem Spiel sammelte man sich so langsam in einer kleinen spanischen Spelunke und konsumierte noch das ein oder andere Getränk. Das Publikum war gemischt. Neben ein paar Jugendlichen gab es noch einen zahnlosen Zigeuner, einen drogendealenden Piraten, eine Nutte und verschiedene andere obskure Gestalten. Trotz des Spiels herrschte gute Stimmung und da unsere Unterkunft fußläufig erreichbar war, stand einem gepflegten Besäufnis, was wir auch sofort durstig in Angriff nahmen, nichts mehr im Wege. Die Bilanz war verheerend: Ungefähr 500 Euro Bargeld, ein Handy und eine Jacke wurden gestohlen, einer musste nach Hause getragen werden und im Hostel wurde auf unser schönes Banner uriniert, da der Weg zum Klo aufgrund einer verschlossenen Tür nicht geschafft worden war.

Am nächsten Morgen wurde die Truppe gleichwohl recht zeitig wach (auch wenn das ein oder andere Gesicht noch etwas Schlaf vertragen hätte), da wir frühzeitig nach Barcelona aufbrechen wollten, um dort einen sonnigen Tag zu verbringen. Unter der Dusche und beim Frühstück wurden die Erlebnisse des Abends rekapituliert und fand, dass man mit den Diebstählen genug Pech gehabt habe. Als wir zum Opel Insignia kamen, sollte sich dies jedoch als Trugschluss herausstellen. Auf eigentlich belebter Straße und ohne sichtbare Dinge im Auto hatte irgendein spanische Langfinger eine Scheibe des Autos eingeschlagen, und den Innenraum umgekrempelt (so hieß es nachher im Polizeibericht, auch wenn außer etwas Glas auf dem Sitz der Innenraum unbeschädigt geblieben war). Als gute Deutsche wollten wir dies natürlich der Polizei melden und riefen, unterstützt von einer jungen Dame einer Fahrschule, wovor wir geparkt hatten, die Polizei an. Diese fühlten sich zunächst nicht zuständig und gab uns eine andere Nummer. Dort war besetzt. Dann ging keiner dran. Dann war wieder besetzt. Als wir es schließlich geschafft hatten durch zu kommen, kam auch nach etwas Wartezeit ein Polizeiauto. Ein Polizist stieg aus, sah sich den Schaden an, zuckte die Achseln und wollte wieder verschwinden. Englisch konnte sowieso keiner. Glücklicherweise war seine Kollegin hilfsbereiter und rief ihren Sohn an, damit dieser den Dolmetscher via Handy spielen konnte. Das Einzige was wir wollten war ein Zettel auf dem die Polizei uns den Einbruch bescheinigt. Dies scheint für die spanische Polizei jedoch ein durchaus komplexer Wunsch zu sein. Letzten Endes landeten wir auf der dortigen Polizeistation, wo zwar viel Personal, aber wenig Arbeitskraft vorhanden war und hatten, nachdem uns dieser kleine Zwischenfall den ganzen Vormittag gekostet hatte, ein Papier der Polizei bei uns. Mit diesem machten wir uns auf den Weg nach Castellon in der Nähe von Villareal, wo wir nach mühevoller Suche eine Europcarfiliale fanden und unseren schönen Insignia gegen eine schnell erhobene Gebühr von 31 Euro in einen kleinen VW Polo tauschen konnten.

Statt eines Strandtages in Barcelona konnten wir also einen Einblick in die Effizienz spanischer Polizei genießen, so dass wir, erst gegen Abend in Barcelona angekommen, lediglich noch den ein oder anderen Touristennepp (großes Bier zum Essen gleich 1l für 14 Euro oder schlecht schmeckende kleine Cocktails in einer Bar plus einem bestellten, aber nicht gelieferten Drink auf der Rechnung) und ein paar Biere auf der Straße und in der Bar im eigenen Hostel mitnahmen. Nach einem Frühstück der Extraklasse und einer recht schmucken Holländerin, die sich währenddessen darüber beschwerte, dass wir sowohl in der Nacht als auch am nächsten Morgen zu laut in unserem 12er Zimmer geredet hätten, fuhren wir zum nah gelegenen Flughafen und brachten die letzten Meter unserer Reise hinter uns.

Die letzten Touren des FVRs gehen noch zum „Scheiß FC-Köln“ (O-Ton Michael Ballack) und zum SC Freiburg, womit eine Saison beschlossen wird, in der sich die Rheindorfer Jungs weniger mit einer Masse an Fahrten hervortaten, dafür aber – insbesondere International – mit einer Klasse, die in der kommenden Spielzeit dann wohl dort fortgesetzt wird, wo sie hingehört. In der Königsklasse. Dann auch wieder mit einer obligatorischen Kopfbedeckung.